Wien, 22. März 2026: Der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis für exzellente Berichterstattung im Bereich der Inklusion in den Kategorien Printmedien, Fernsehen, Radio sowie digitale Medien/Podcast wurde am 20. März 2026 zum fünften Mal in Wien verliehen. Ausgezeichnet wurden Beiträge, die Inklusion in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einbetten. Diese haben eines gemeinsam: Mit journalistischer Tiefe, mit Feingefühl und mit einem echten Interesse an den Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen beleuchten sie Themen, die viel zu oft im Verborgenen bleiben. Und sie zeigen auf, dass Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist. Darauf macht der österreichische Online-Nachrichtendienst BIZEPS aufmerksam. In der Kategorie Fernsehen wurde der Preis an die deutsche Journalistin Mareike Müller mit dem Beitrag "Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren", der vor einem Jahr in der ARD ausgestrahlt wurde und sich kritisch mit dem deutschen Werkstättensystem auseinandersetzt. Martin Ladstätter vom Wiener Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen BIZEPS hielt die Laudatio auf die ausgezeichnete Journalistin.
Link zum BIZEPS-Bericht über die Preisverleihung
Im Folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten die Laudatio, die Martin Ladstätter auf Mareike Müller bei der Preisverleihung am 20. März 2026 hielt:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste und vor allem: Liebe Mareike Müller!
„Ganz ehrlich: Diesen Film wollte niemand haben. ‚Das will doch keiner sehen!‘ bekam ich zu hören.“
Mit diesem entwaffnenden Satz beginnt Ihre Dokumentation. Und ich bin ehrlich: Als ich anfing, die Sendung zu schauen, wusste ich nicht genau, worauf ich mich einlasse.
Doch je länger ich zusah, umso mehr hat mich dieser Film gepackt. Sie, liebe Frau Müller, haben sich zum Glück nicht beirren lassen.
Sie nähern sich dem Thema ganz bewusst aus der Ich-Perspektive, teilen Ihre eigenen Lernprozesse, Ihre Zweifel und auch Ihre ehrliche Empörung mit uns.
Genau dieser persönliche Faden zieht uns unweigerlich in Ihre eigene Erkenntnisreise hinein. Und diese Reise reißt uns aus der Komfortzone. Wir erfahren von Ausbeutung mitten in Deutschland: Menschen arbeiten in Werkstätten Vollzeit für 224 Euro im Monat – das sind 1,50 Euro pro Stunde.
Wir lernen das bittere Mantra des Systems kennen: „Einmal Werkstatt, immer Werkstatt.“
Nur verschwindend geringe 0,35 Prozent der Beschäftigten schaffen den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Ein Werkstatt-Geschäftsführer bringt es im Film erschreckend ehrlich auf den Punkt: „Soziale Organisationen haben die Tendenz, sich zu erhalten.“
Uns als Jury hat tief beeindruckt, wie Sie das gängige Narrativ aufbrechen. Meist sehen wir in den Medien nur eindimensionale Bilder von dankbaren Werkstattbeschäftigten bei Bastelarbeiten. Ihr Film zeigt ein anderes, differenziertes Bild. Er zeigt junge, inklusiv aufgewachsene Menschen mit Behinderung, die von echter Arbeit und Teilhabe träumen.
Ein System aus Sonderstrukturen, Bürokratie und Vorurteilen zwingt sie, hart um ihr Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen. 16 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK in Deutschland begegnen Sie diesen Menschen auf Augenhöhe.
Sie machen sie und ihre Anliegen sichtbar und beweisen: Inklusion darf nicht nur Thema für Menschen mit Behinderung bleiben. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Am Ende formulieren Sie einen Satz, der alles auf den Punkt bringt: „Barrierefreiheit und Inklusion waren für mich bisher nur Worte. Petra und Dirk haben mich gelehrt: Ich möchte meine Teilhabe nicht mehr ohne ihre denken.“
Liebe Frau Müller, danke für diesen Film, den angeblich „niemand haben wollte“. Wir alle brauchten ihn dringend. Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Arbeit!
Link zum Film „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ auf YouTube






