Berlin, 10. März 2026: Bei der größte Repräsentativbefragung zu Benachteiligung zeigen die Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) umfassend, wie verbreitet Diskriminierung in Deutschland ist. Besonders von Diskriminierung betroffen sind demnach Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, Muslime, Frauen und Menschen mit Behinderungen. Mit dem blick auf die Zahlen schlägt die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman Alarm und stellt fest: "Dieses Ausmaß an Diskriminierung gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt". Mehr als 13 Prozent der Menschen in Deutschland berichten bei dieser Umfrage davon, in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben. Auf die erwachsene Bevölkerung umgerechnet entspricht das rund neun Millionen Menschen.
„Die Ergebnisse der Umfrage sind ein klarer Auftrag an Politik und Gesellschaft. Denn nun wissen wir ganz eindeutig: Diskriminierung ist keine Randerscheinung, sondern ein Kernproblem. Das Ausmaß an Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land. Eine Gesellschaft, in der sich Millionen Menschen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse fühlen, ist instabil und anfällig. Die besonders hohen Werte für Diskriminierungen am Arbeitsmarkt und beim Zugang zu Dienstleistungen und Gütern haben auch erhebliche wirtschaftliche Folgen. Dafür brauchen wir Lösungen“, sagte Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen. Menschen mit Migrationshintergrund berichten deutlich häufiger von Diskriminierung als Menschen ohne Migrationshintergrund. Besonders Muslime und Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind, berichten von Diskriminierungserfahrungen. Auch Frauen, trans- und inter-geschlechtliche sowie nicht-binäre Personen, Menschen mit Behinderungen oder chronisch Erkrankte erleben überdurchschnittlich häufig Diskriminierung.
Die Studie zeigt zudem deutlich die Folgen von Diskriminierung auf: Betroffene berichten von schlechterer Gesundheit, geringerer Lebenszufriedenheit, psychischer Belastung und einem sinkenden Vertrauen in den Staat. Gleichzeitig sieht die Mehrheit der Betroffenen (56 Prozent) offenbar keinen Sinn darin, gegen Benachteiligungen aktiv zu werden. Das deutet auf ein mangelndes Vertrauen in den gesetzlichen Diskriminierungsschutz hin.
Diskriminierung findet, wie die Umfrage zeigt, in nahezu allen Lebensbereichen statt, besonders oft im öffentlichen Raum, beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, im Arbeitsleben, im Gesundheits- und Pflegebereich, in der Schule, im Kontakt mit Behörden und Polizei sowie bei der Wohnungs- und Haussuche statt. Die Studie zeigt, dass Diskriminierung oft in Bereichen stattfindet, in denen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kaum oder gar nicht schützt – etwa auf der Straße (öffentlicher Raum) oder beim Kontakt mit dem Staat. So berichtet fast jede fünfte Person von Benachteiligungen durch Ämter, Behörden oder Polizei. Auch Menschen mit geringen Einkommen, ohne deutschen Pass oder Personen, die ihre Angehörigen pflegen oder Kinder betreuen, sind besonders gefährdet, diskriminiert zu werden.
Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman fordert deshalb, die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zügig umzusetzen.






